11. Mai 2026
Flitzracke
(Coracias rapidus GOLFFAHRER, 2006)
Mit ihrem nachtblauen, metallisch glänzenden Gewande ist die Flitzracke eigentlich ein wunderhübsches Tier; so berichten zumindest die wenigen Personen, die sie schon mal für länger als 1 Sekunde in Muße betrachten konnten. Doch meist sieht man von der Flitzracke nichts als die Rücklichter, wie der Waidmann zu sagen pflegt.
Die Flitzracke gehört zu den extrem heimlichen Vögeln, sie meidet den offenen Luftraum und fliegt immer ganz knapp überm Boden; das führt zuweilen zu lautstarken Zusammenstößen mit Amseln oder auch mit brütenden Fasanenhennen.
Von der Anwesenheit einer Flitzracke im Revier bekommt der Jagdfreund erst dann was mit, wenn er die gefiederten Explosionen in Bodennähe vernimmt, denen immer ein charakteristisches Kreischen vorher geht, das entfernt an eine Kraftfahrzeug-Vollbremsung erinnert; oder aber, wenn eine um die Ecke speerende Flitzracke nach ihrem charakteristischen Bremsgeräusch-Schrei einen Tunnel von respektablen Ausmaßen quer durch des Försters besten Freund, den Wursthund – vulgo: den Dackel – stanzt. Denn der Wanst des Niederlaufhundes befindet sich exakt auf Flitzracken-Flughöhe.
Kraft ist Masse mal Beschleunigung, und dass auch das kleinste Ding eine furchtbare Kraft freisetzen kann, ist uns spätestens seit der Atomspaltung und seit der Beschießung von wildlebenden Tieren mit Bleiklumpen bekannt. Die Flitzracke hat es nicht so mit der Masse – gerade mal 100 Gramm wiegt das Vögelchen dafür hat sie’s mit dem Tempo – sie kann die Flügel wie der mit ihr verwandte Eisvogel dicht anlegen und gleicht dann einem lebenden Dartpfeil – einem, der quietscht.
Das einzige, was eine Flitzracke ausbremsen kann, ist das Wildschwein. Hierin bleibt der Vogel aus noch unbekannten Gründen mit dem Schnabel stecken; und kommt dann der grüne Schießemann, erlegt die rackengespickte Wutz und macht Töröö auf seinem Waldhorn, dann ergibt sich die seltene Gelegenheit, das vormals viel zu flüchtige Tier in seiner schillernden Schönheit kennen zu lernen und zu bewundern.
Die Flitzracke, die sich in Muße und detailliert betrachten lässt, ist nämlich blöderweise mit ihrem Schnabel bis über die Nasenlöcher in der Schwarte versunken, und ohne Sauerstoffzufuhr geht auch der Flitzracke das Rücklicht für immer aus.
Ein Konstruktionsfehler der Evolution? …















